Kompetenzen und Grenzen der Frauenberatung der FEMINA Fachkräfte und Expert*innen
Wozu bereitet die Ausbildung zur Frauenberatung bei FEMINA vor?
Die Inhalte, Kompetenzen und Grenzen der Frauenberatung von Fachkraft sowie der Expertin für Stillberatung und Frauenberatung FEMINA® sind gleich. Beide Ausbildungslehrgänge teilen sich diesen Ausbildungszweig und können sich kursübergreifend kennenlernen.
Die Zertifizierung befähigt die Absolvent*innen des FEMINA Instituts® zu einer niedrigschwelligen, psychosozial orientierten Frauenberatung. Sie qualifiziert dazu, Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen und Belastungssituationen professionell zu begleiten, Orientierung zu geben und tragfähige Unterstützungswege zu eröffnen – ohne heilkundlich oder rechtsberatend tätig zu sein.
Frauenberater*innen arbeiten an der Schnittstelle zwischen Betroffenen und bestehenden Hilfesystemen und schließen Versorgungslücken dort, wo ärztliche, therapeutische oder rechtliche Angebote nicht oder nicht ausreichend verfügbar sind.
Kompetenzen der Frauenberatung
Frauenberatung als eigenständiger Ausbildungsschwerpunkt
Die Ausbildung vermittelt eine umfassende Qualifikation in Frauenberatung mit Fokus auf gesellschaftliche, biografische und psychosoziale Aspekte weiblicher Lebensrealitäten. Thematisiert werden unter anderem:
- Mutterschaft und Veränderungen im Lebensverlauf
- Gesellschaftliche Rollenbilder und strukturelle Erwartungen
- Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen
- Traumasensible Gesprächsführung und Beratung
- Emotionale Begleitung in Krisen- und Übergangssituationen
- Selbstreflexion, Abgrenzung und Selbstfürsorge in beratenden Berufen
Zahlreiche Fallbeispiele, Praxisübungen und Erfahrungsberichte fördern empathisches, reflektiertes und professionelles Handeln.
Beratungskompetenzen und fachliche Einordnung
Frauenberater*innen sind befähigt:
- Im Gespräch Verdachtsmomente auf körperliche oder psychische Erkrankungen zu erkennen, diese fachlich einzuordnen und zu begründen
- Diagnostik, Abklärung oder Behandlung durch geeignete Fachstellen zu empfehlen, ohne selbst Diagnosen zu stellen
- Strukturierte Anamnesen und Erstgespräche durchzuführen
Schriftliche Übergabebögen für die interdisziplinäre Zusammenarbeit (z. B. mit Ärztinnen, Therapeutinnen, Anwält*innen) zu erstellen – unter Wahrung von Schweigepflicht, Datenschutz und Privatsphäre
Vernetzung, Begleitung und gesellschaftliche Wirkung
Die Frauenberatung FEMINA befähigt außerdem zu:
- Gezielter Vernetzung mit Hilfestellen, insbesondere bei Trennung, Gewalt- oder Diskriminierungserfahrungen
- Tätigkeit als niedrigschwellige Ansprechpartner*innen zwischen juristischen, therapeutischen und medizinischen Angeboten
- Öffentlichkeitsarbeit, schulischer und gesellschaftlicher Aufklärungsarbeit
- Initiativen, Projektarbeit und Schulung von Fachpersonal
- Gründung gemeinnütziger Vereine
- Leitung von Selbsthilfegruppen (online und vor Ort)
Grenzen der Frauenberatung FEMINA
Die Frauenberatung arbeitet bewusst innerhalb klar definierter professioneller Grenzen:
- Es werden keine Krankheiten gemäß ICD-10 oder ICD-11 diagnostiziert oder behandelt.
- Die Beratung ersetzt keine approbierten Ärztinnen, Psychotherapeutinnen oder Anwält*innen.
- Es findet keine reine Rechtsberatung und keine rechtliche Vertretung statt.
- Frauenberater*innen übernehmen keine alleinige Begleitung bei akuten suizidalen Krisen; in solchen Fällen erfolgt eine sofortige Weitervermittlung an geeignete Krisen- und Fachstellen.
Übersicht der Ausbildungsinhalte im Fachbereich Frauenberatung
I. Grundlagen der Frauenbegleitung
- Bedeutung der Frauenbegleitung
- Haltung & Werte
- Weibliche Lebensphasen
II. A. Gewalt, Misshandlung und Trauma
- Formen von Gewalt
- Traumatisches Erleben
- Stabilisierung und Sicherheit
- Kooperation und Schutzsysteme• Frauenhäuser, Fachstellen, Notfallkontakte
II. B. Sexuelle Gewalt in Beziehungen & Mutterschaft nach Misshandlung
- Sexualisierte Gewalt in Partnerschaften
- Innere Konflikte & Normalisierungsstrategien
- Mutterschaft nach sexueller Gewalt
- Traumasensible Begleitung und Weitervermittlung
III. Schwangerschaft, ambivalente Mutterschaft und Wochenbett
- Emotionale Prozesse in der Schwangerschaft
- Ungewollte Schwangerschaft & Entscheidung zur Geburt
- Reue und Distanz im Muttersein
- Geburtserfahrung und Wochenbett
- Schwangerschaftsabbruch – Entscheidungsfindung & Begleitung
- Leben als alleinerziehende Mutter
IV. Verletzungsstörungen und Selbstschutzmechanismen
- Funktionen von Selbstverletzung
- Gesprächsführung
- Ressourcenarbeit und Weiterleitung
V. Entwicklung, Selbstwirksamkeit und Empowerment
- Entwicklung als Prozess
- Empowerment durch Körper & Identität
- Methoden & Werkzeuge
- Selbstfürsorge und Nachhaltigkeit
VI. Praxis der Frauenbegleitung
- Gesprächsrahmen & Setting
- Fallarbeit & Reflexion
- Kooperation & Weiterleitung
- Abschluss & Integration
VII. Frauenberatung im institutionellen Kontext
- Prozessbegleitung & Hilfeplanung
- Zusammenarbeit mit Jugendamt & Fachstellen
- Clearingverfahren
- Berichte schreiben & Dokumentation

